Künstliche Intelligenz in der Pflege – was ist möglich?

Vielleicht stehen Sie derzeit vor der Frage, ob Sie in ein neues, altersgerechtes Heim umziehen oder Ihre geliebten vier Wände barrierefrei umbauen wollen. Was aber geschieht, falls Sie oder Ihr Partner pflegebedürftig werden? Unter welchen Voraussetzungen könnten technologische Entwicklungen den Alltag im eigenen Zuhause sinnvoll und dezent unterstützen?

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt rasant. Doch viele ältere Menschen haben leider nicht das Glück, von den eigenen Angehörigen versorgt zu werden. Und auch das Pflegepersonal wird knapp. Aus Japan kommt die Idee, das Wohl der Alten und Gebrechlichen in die Hände von Robotern zu legen. Aber kann von ihrem „Wohl“ dann überhaupt – und in emotionaler Hinsicht – noch die Rede sein?

Derzeit leben fast 2,9 Millionen pflegebedürftige alte Menschen in Deutschland, ein Drittel davon in Seniorenheimen. Bis zum Jahr 2050 wird diese Zahl auf rund 4,5 Millionen wachsen, schätzt das Statistische Bundesamt. Wie soll diese Herausforderung des demografischen Wandels gemeistert werden? In der Zukunft stehen wir vor dem Problem, dass es zwar immer mehr Pflegebedürftige gibt, jedoch immer weniger Menschen, die Pflegeberufe ergreifen und ausüben. Zudem fehlt es den Kranken- und Pflegekassen an Geld, das aber nötig wird, wenn die Zahl an Senioren, die ihren Alltag nicht mehr selbst bewältigen können, steigt.

Werden Pflegefachkräfte durch Technologie ersetzt?

Einer ähnlich prekären Situation sehen sich die Japaner ausgesetzt, was in dem Land der technischen Innovationen auch auf dem Gebiet der Altenpflege zu neuen Gedanken rund um das Thema Künstliche Intelligenz führt. Bereits vor 16 Jahren eröffnete der Elektronikkonzern Panasonic in der Nähe von Osaka ein High-Tech-Pflegeheim, in dem die Bewohner ausschließlich mittels Technik versorgt und kontrolliert wurden. Mit einigen Produkten wie Halsketten mit Bewegungssensor, die den Aufenthalt der Heimbewohner überwachen und ein Weglaufen verhindern sollten, konnten sich aber selbst die technikaffinen Japaner nicht anfreunden.

Die Deutschen stehen der Vorstellung, sich im Alter von Robotern waschen, füttern und tragen zu lassen, insgesamt sehr viel skeptischer gegenüber. Allein deswegen ist nicht davon auszugehen, dass Künstliche Intelligenz hierzulande in naher Zukunft menschliches Pflegepersonal ersetzen kann. In einigen Medien wird häufig suggeriert, dass die Technologie in Zukunft alle Pflegefachkräfte obsolet machen wird. „Doch hier herrscht ein Übersetzungsfehler“, stellt Christian Buhtz, der Gründer des Robotikherstellers Boston Dynamics Marc Raibert, im Interview mit heise online klar. „Es gibt einfach keine Pflegeroboter. Sondern es gibt lediglich robotische Systeme, die in einzelnen Funktionen unterstützen können und so Pflegekräfte entlasten.“

Was zählt, ist das Zwischenmenschliche

Das Problem sei laut Buhtz nicht die technische Machbarkeit, sondern die Komplexität von zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Pfleger und Patient, die individuelle Begegnung ermögliche. Die Frage, ob Pflegeroboter die Bedürfnisse von alten Menschen wirklich befriedigen können, stellt sich so gesehen im Grunde gar nicht. Künstliche Intelligenz besitzt keine Gefühle wie Liebe, Verbundenheit oder Freude, sie kann höchstens ein solchen Gefühlen entsprechendes Verhalten simulieren. Und auch wenn das Gegenüber den Unterschied nicht erkennen mag, bewegt man sich hier ethisch betrachtet auf einem schmalen Grad.

Christian Buhtz plädiert für eine nüchterne Darstellung der realen Fähigkeiten und Möglichkeiten von Maschinen und bevorzugt die Begriffe „robotische Pflegeassistenzsysteme“ oder „Roboter zum Autonomieerhalt“. In Deutschland arbeiten zahlreiche Firmen daran, pflegebedürftige Menschen auf diese Weise in ihrem Alltag zu unterstützen. Primär handelt es sich um Technik, die in die Wohnung eingebaut wird, um Pfleger oder pflegende Angehörige zu entlasten. Technologische Entwicklungen wie automatische Rollladensteuerung, intelligente Überlaufsysteme für die Badewanne, Sturz-Detektoren und mit Notrufzentralen vernetzte Rauchmelder sind zwar bereits am Markt verfügbar, aufgrund der hohen Anschaffungskosten jedoch in Privatwohnungen noch nicht sehr verbreitet.

Gemeinsam mit der Berliner Charité arbeitet der Industriegasekonzern LINDE an einem Projekt mit dem Namen Bea@home, das die Beatmungspflege von Schwerstpflegebedürftigen zu Hause ermöglichen soll. Momentan wird die Durchführung in der Praxis erprobt – mit großem Erfolg: Die betreuenden Personen gewinnen durch das Projekt an Handlungssicherheit, und die Patienten können in ihrem häuslichen Umfeld gepflegt werden. Anstelle von Rundumbetreuung durch einen Pfleger tritt hier ein ausgeklügeltes Überwachungssystem, das am Bett der Beatmungspatienten installiert wird und die medizinischen Werte laufend an ein Krankenhaus übermittelt. Für die Pflege- und Krankenkassen bedeutet dies eine erhebliche finanzielle Entlastung, und für die Patienten und ihre Angehörigen nichts Geringeres, als dass sie Seite an Seite in den eigenen vier Wänden leben können.

In dezent unterstützender Funktion kann Künstliche Intelligenz alten Menschen also tatsächlich helfen. Aber ein wärmendes Lächeln und das richtige Wort zur richtigen Zeit kann nur ein Wesen mit emotionaler Intelligenz schenken.

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Foto: © aerogondo

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